Die Feuertaufe

Die Feuertaufe

Nun, am 3. Oktober 2018, sind unsere Herbstferien angebrochen. Die erste Gelegenheit, mit unserem eigenen Camper zu Reisen. Dafür haben wir 10 Tage eingeplant. Der Camper ist eingerichtet und startklar. Klar ist auch, dass wir von Tschamut aus, dem Ort unseres Ferienhauses, loslegen.  

Als Erstes geht’s Ins Engadin, nach Pontresina auf den Camping Morteratsch auf 1800 Meter. Wir wollen ja schliesslich den Praxistest bestehen.  Wir sind ja Campen gewohnt. Bei Ankunft wie Profis Kabel raus und die Kabelenden einstecken, wo sie einzustecken sind. Aber: Es fliesst kein Strom – und das am Freitag kurz vor Feierabend. Entnervt und kurzentschlossen rufen wir den Verkaufsberater an. Der bleibt zum Glück gelassen und ermittelt die Ursache: Der Hauptschalter ist ausgeschaltet. Peinlich! Er befindet sich im Kleiderkasten und den haben wir mit unseren Kleidern schon gefüllt. Jetzt wissen wir wenigstens, wo sich der Hauptschalter befindet. Er wird sich wohl kaum freiwillig ausgeschaltet haben. Haben uns neugierige Hände einen unbeabsichtigten Streich gespielt? 

Das erstes einfache Menü ist uns gelungen. Zu müde, um noch Weiteres zu klären, gehen wir früh schlafen.  

Am Morgen herrscht im Camper fast Aussentemperatur. Das heisst also kurz aufstehen und heizen. Wir wurden ja schliesslich darüber instruiert. Aber so einfach geht es nicht. Und so schlüpfen wir wieder unter die warme Bettdecke und hören und sehen wir uns die Instruktion über den Bedienungspanel nochmals an. Wir schaffen es schliesslich. 

Das stille Leiden der Gletscher 

Es herrscht wunderbares Wetter. Piz Palü und Piz Morteratsch  leuchten majestätisch.  

Wir wollen zum Tor des Morteratschgletschers. Dafür müssen wir erst auf der Strasse zum Bahnhöfli der Berninabahn gehen und dann auf dem Wanderweg zum Gletscherende. Warum auf der Strasse marschieren, wenn man Velos dabei hat ? So machen wir unsere neuen Faltvelos startklar. Doch schon die ersten Meter zeigen: zu wenig Luft in den Veloreifen. Pumpen ist angesagt. Doch wie funktioniert die neuerworbene Luftpumpe ? Auch das braucht seine Zeit. Das Fahren mit den Velos ist äusserst ungewohnt. Leider kommen wir schon nach 5 Min zur bitteren Erkenntnis: Faltvelos sind zu wenig ergonomisch und damit «Kopfweh-Velos». Also eine Fehlinvestition. 

Beim Bahnhof angekommen (13Uhr) haben wir schon Hunger. Wer uns kennt, weiss, wer «wir» ist und im Zustand des Heisshungers zur Diva wird, was unbedingt zu vermeiden ist. Drum gibt es Lunch im Bahnhofsrestaurant. 

Der Weg zum Gletschertor zeigt anschaulich, wie der Gletscher seit 1840 zurückgegangen ist und mit welchem Tempo der Rückgang seit 1980 stetig zugenommen hat. Herr D. aus Trumpingen müsste hier einen kleinen Spaziergang machen. 

Kleine Erfolgserlebnisse helfen 

Heute morgen hat die Programmierung der Dieselheizung geklappt. Es ist wunderbar warm, als wir aufstehen. Den Kaffee geniessen und schnell zusammenpacken. Und schon sind wir reisebereit. Das wunderschöne Inntal hinab geht’s, über Innsbruck und Salzburg nach Linz. Dabei wird uns bewusst, wie wenig wir von Österreich wissen und wieviel es zu entdecken gibt.  Unsere österreichischen Freunde Gudrun und Rainer, die wir in Australien im Ningaloo-NP vergangenes Jahr kennengelernt haben, empfangen uns mit Kaffee und köstlichem Kuchen und führen uns danach zu Fuss durch die Altstadt. Sie verbreitet ein gemütliches Ambiente und die schönen Gassen wären für uns Basler ideal für die Fasnacht. Bei den vertieften Gesprächen sind wir auch auf den Geschmack gekommen von “Brathändrl” und allerlei “Brettrl”.  

Auf in den Süden 

Die Hauptprobe sollte ja auch die Funktionstüchtigkeit für «draussen essen/draussen sein» bestätigen und so durchqueren wir Salzburg, die Steiermark, Kärnten und das Friaul und lassen uns in Jesolo nieder. Noch vor wenigen Tagen hätten wir nie daran gedacht – so schlecht war unsere Meinung vom Hörensagen an Ferienorte an der Adria. Gleich wie Rimini. Doch wir werden eines Besseren belehrt. Zwar ist es der einzige Campingplatz, der noch geöffnet ist, doch der Platz und die Umgebung entspricht dem Wetter und der Temperatur: fabelhaft. Das gilt wahrscheinlich aber nur für die Nachsaison. Glück gehabt. 

Auf den Spuren von Donna Leon 

Ein Tagestrip nach Venedig. Wir hatten ja im Engadin schon festgestellt, dass unsere Faltbikes ein Fehlkauf waren. Jetzt sind sie so gut verstaut, dass wir sie nicht mehr hervorholen wollen. So beginnt der Ausflug mit einem Fussmarsch zur Schiffsanlegestelle. Wir kommen an einem alten Bauern vorbei, der still auf einem Campinghocker vor seinem Salatfeld sitzt und beobachtet. Worauf er wohl wartet ? Am Abend ist er zum Glück nicht mehr dort. Die Fähre bringt uns innert 20 Minuten zur Piazza San Marco. Das Ambiente mit den unzähligen Brückchen über die vielen Kanäle behagt uns sofort. Und das bei wunderbarem Sonnenschein und angenehmer Temperatur. So gibt es Fotosujets im Überfluss.  

Es herrscht Leben auf den Kanälen. Gondeln, Motortaxis, private Motorbote und Koffertransportkähne tauchen von allen Seiten auf, biegen ab – oder stauen sich bei Gegenverkehr, weil sie nicht aneinander vorbeikommen. Stossverkehr ! Es dauert etwa 15 Minuten, bis sich der Knoten gelöst hat. Bedeutet das Effizienz in Venedig ? Mutet irgendwie mittelalterlich und romantisch an. 

Das «Wasserträmli» von einem Ende des Canale Grande zum anderen ist gerammelt voll, und das nicht nur von Touris. Es hat offensichtlich weniger Touris zu dieser Zeit, denn auf der Rialtobrücke finden wir einen Platz am Geländer «ohni Druggede». Die Sprachenvielfalt ist gross, sowohl bei den (sprachhomogenen) Touri-Gruppen als auch bei den Individualisten, wie wir es sind. Und wer italienisch spricht, lebt nach dem Credo «fare bella figura». Leider haben wir Commissario Brunetti und seine schlaue Assistentin Signorina Elettra nicht getroffen. 

Die Hauptprobe für Auto und Wohnkabine ist voll und ganz geglückt bei wunderbarsten Herbstwetter. Die Verbesserungsmöglichkeiten betreffen die Wohnlichkeit und sind praktischer Natur. Wir werden im September ’19 bereit sein.

 

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